Bürokratie: Lienzingen und das Bier

Vor dem Bierkeller in Lienzingen: Roland Straub, Günter Bächle, Gunther Krichbaum und Dr. Peter Napiwotzky (v.l.)
Vor dem Bierkeller in Lienzingen: Roland Straub, Günter Bächle, Gunther Krichbaum und Dr. Peter Napiwotzky (v.l.)

Der Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum (CDU) informierte sich im Bierkeller und am Hopfenfeld über die Bürokratie in der Geschichte des Bierbrauens und möchte den Bierkeller- und Kulturverein gerne unterstützen.
In der Berliner Landesvertretung Baden-Württembergs stieß Gunther Krichbaum auf das Lienzingen Etterdorf-Bier „1882“, freute sich und schickte quasi ein Beweisfoto per SMS dem Lienzinger Stadtrat Günter Bächle. „Lienzingen erobert die Hauptstadt.“ (siehe Kasten)
Neugierig geworden, informierte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete jetzt im Bierkeller und am Hopfenfeld über die Geschichte des Bierbrauens. Und erfuhr dabei auch, wie Bürokratie solche Aktivitäten erschweren kann.

Staunen über den historischen Bierkeller

Vorstand Roland Straub öffnete für Krichbaum den historischen Bierkeller an der Friedrich-Münch-Straße. Er berichtete von den wilden Hopfenpflanzen, die entlang des Scherbental- und Schmiebaches wachsen. Dieser ausgewilderte Hopfen stammt aus der Zeit um 1850. Damals hat die Brauerei Gutjahr, später Johann Schneider, bis zum Jahr 1913 in Lienzingen Bier hergestellt (-> zum Beitrag).


MdB Gunther Krichbaum wundert sich über die Bürokratie im GewölbekellerZusammen mit den beiden Lienzinger Kreisräten Günter Bächle und Dr. Peter Napiwotzky schaute sich der Abgeordnete die drei Röhren des Gewölbekellers an, den die Stadt Ende 2017 zurückgekauft hat. Leider sei es bisher nicht gelungen, die Stadt dazu zu bewegen, eine Stromleitung in den Keller zu legen, obwohl  nur an die bis vor den Eingangstoren liegende Hauptleitung angeschlossen werden müsse. Der Verein wolle sich in die Unterhaltung des Bierkellers einbringen, könne aber bei Arbeitseinsätzen nicht im Dunkeln tappen. Wichtig sei, den Bestand des Kellers zu sichern. Ein Statiker habe an einer Stelle, gleich nach einem der beiden Eingänge, eine Baumwurzel in dem Gemäuer entdeckt. Obwohl es nur ein kleiner Bereich sei, habe die Stadt den allgemeinen Zutritt gleich für den gesamten Bierkeller untersagt  und durch ein Gitter außen deutlich gemacht. Straub setzte sich dafür ein, die Sache rasch abschließend zu klären.

„Ich bin beeindruckt und finde die Anlage höchst interessant“,

…sagte Krichbaum. Wie Stadt- und Kreisrat Günter Bächle ergänzte, die Klärung der statischen Fragen habe sich verzögert, weil die untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt von der Stadt eine artenschutzrechtliche Begutachtung wegen Eingriffen im Hang über dem Keller gefordert habe, die zu erstellen eine ganze Vegetationsperiode dauern müsste. Die Ergebnisse hätten erst 2021 vorgelegen, was eine weitere Verzögerung gebracht hätte, so Bächle. Aber es gehe nicht um eine Abholzung des Hanges, sondern darum, im kritischen Bereich den Hang aufzugraben, um einen Blick von oben auf das Gewölbe zu werfen, ansonsten um Bäume zu fällen, deren Standfestigkeit gefährdet ist oder deren Wurzeln das Gewölbe gefährden. Bächle sagte, inzwischen habe das Landratsamt  Abstand genommen von einem so großen Gutachten und sei damit einverstanden, durch eine einmalige Begehung den artenschutzrechtlichen Wert des Hanges festzustellen.

Bürokratie nicht nur im Bierkeller, auch im Hopfengarten
Wundern sich über Bürokratie Im Hopfengarten: Gunther Krichbaum, Roland Straub und Günter Bächle (v.l.)
Im Hopfengarten: Gunther Krichbaum, Roland Straub und Günter Bächle (v.l.)

Roland Straub beklagte auch in der zweiten Station, dem Hopfengarten in der Hart, dass die Bürokratie Hindernisse und Erschwernisse bereithalte. Es sei schwierig gewesen, die Behörden zu überzeugen, dort eine an die Dorfgeschichte anknüpfende Hopfenanlage zu schaffen. Dann habe es eines aufwändigen Genehmigungsverfahrens für eine Informationstafel über Hopfenanbau am Hopfengarten gegeben, die Tafel habe verkleinert werden müssen und die Erlaubnis sei befristet. Krichbaum sagte, den Wunsch, den Hopfengarten zu erweitern, wolle er mit dem Regierungspräsidium besprechen und sicherte dem Verein die entsprechende Unterstützung zu.